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Emys Orbicularis spricht zu euch:

Mittwoch, Juni 15th, 2011

Ich, Emys, sage euch: (16.Juni 2011)
Mein Tag beginnt mit einem Kratzen im Hals. Das ist nicht gut. Vermutlich habe ich gestern zu viel geraucht. Ich habe vor, auch heute viel zu rauchen, also kann ich ein Kratzen im Hals absolut nicht gebrauchen. Ich will an meinen Texten arbeiten. Ich habe eine Religion zu gründen und diesmal will ich es richtig anpacken. Nicht so halbherzig wie beim letzten Mal. Dafür muss ich rauchen. Wenn ich nicht rauchen kann, kann ich nicht schreiben. Punkt drei auf meiner Warum-ich-niemals-aufhören-will-zu-rauchen-Liste.
Bevor ich mit der Arbeit anfange muss ich aber zuerst all die anderen Dinge erledigen, die heute noch so anstehen. Aufstehen zum Beispiel. Damit beginne ich fast jeden Tag. Nach dem Aufstehen mache ich die Fenster auf um die stinkige Nachtluft gegen stinkige Straßenluft zu tauschen. Das ist immer eine willkommene Gelegenheit zu sehen, was für Wetter ist. Meine Vorhänge mache ich nämlich niemals auf, wegen der Nachbarn. Die glotzen bekanntlich in jedes Fenster in das sie glotzen können. Nachbarn eben. Heute ist sogenanntes “gutes Wetter”, heißt, die Sonne scheint. Kalt ist es trotzdem, es ist Anfang März und Kalendarisch gesehen immer noch Winter.
Neben der Sonne gibt es noch ein weiteres Anzeichen dafür, dass bald Frühling wird: In der Baulücke gegenüber wird ein Kran aufgebaut. Ich werde also die nächsten Monate eine Baustelle vor dem Fenster haben. Von der Aussicht her egal, weil ich ja sowieso die Vorhänge zu habe, vom Ausschlaffaktor her beschissen, weil Leute die auf Baustellen arbeiten einen anderen Tagesrhythmus haben als ich. Sie stehen sehr früh auf und haben auch kein schlechtes Gewissen das mit lautem Getöse und Gehämmer jedem Kundzutun, der die Frechheit besitzt in der Nähe ihrer Arbeitsstätte ausschlafen zu wollen. Ich weiß das, weil ich nicht das erste Mal neben einer Baustelle wohne. Hamburg ist voll von Baustellen. Das Tor zur Welt wird zur wachsenden Stadt und der Preis dafür ist neben steigenden Miets- und Lebenshaltungskosten, dass man dazu verdammt ist aufgeweckt zu werden, sobald der erste Bauarbeiter anfängt mit seinem Werkzeug Krach zu machen. Schön ist was anderes.
Die letzte Baustelle neben der ich gewohnt habe, war direkt vor meinem Fenster im Hinterhof. Sie haben ein Haus abgerissen um es gegen ein neues zu tauschen. Irgendwann zwischen 7 und 8 Uhr morgens geht das meistens damit los, das sie allerhand Zeug mittels einer Schuttrutsche von den oberen Stockwerken in einen Container verfrachten. Man wird also regelmäßig von einem Geräusch geweckt, dass sich so anhört wie ich mir die Soundkulisse eines Erdbebens vorstelle. Habe aber noch nie ein echtes Erdbeben erlebt, deshalb könnte es durchaus sein, dass das etwas weniger laut ist.
Aufgrund des Lautstärkepegels sind Bauarbeiter außerstande, in einem normalen Tonfall miteinander zu kommunizieren. Es hört sich also ständig an, als würden sich vor meinem Fenster Leute wegen Werkzeugen oder Arbeitsabläufen gleich was auf die Fresse hauen. Jeder hat einen Unterton in der Stimme, in dem mitschwingt, dass er absolut bereit wäre in diesem Moment für den Hammer, den er so dringend braucht um die Geräuschkulisse noch ein bißchen unerträglicher zu machen, über Leichen zu gehen.
Da ich nicht der Typ bin, der nach dem 20:15 Film nur noch schnell ein Teechen trinkt um dann schnell ins Bett zu verschwinden rauben sie mir mit ihrem Hausabgereisse ca 75% meines Schlafs. Unausgeschlafen ist meine Laune ähnlich miserabel wie ohne Zigaretten. Das Leben wird zur Qual.
Mittagsschlaf ist auch nicht, weil vor 16 Uhr machen die auf keinen Fall Feierabend und nach 16 Uhr sollte ich es vermeiden zu schlafen, weil ich sonst Nachts wieder nicht pennen kann.
An einem Tag versuche ich die Baustellengeräusche mittels lauter Musik zu übertönen. Es klopft an mein Fenster, draußen steht ein Typ in staubiger Arbeitskleidung und einem schwarzen Eimer in der Hand. Er fragt mich, ob ich so nett wäre, ihm den Eimer mit Wasser zu füllen. Nein, bin ich nicht! Mir ist sehr wohl bewusst, dass er wenig dafür kann, dass irgendein Bauherr oder Städteplaner oder was auch immer auf die beknackte Idee gekommen ist unmittelbar neben meinem Bett ein Haus abzureißen, aber das bedeutet nicht, dass ich das in welcher Form auch immer unterstützen möchte. Nicht einmal mit einem Eimer Wasser. Er versteht das nicht. Ich verstehe nicht, warum die kein eigenes Wasser auf ihrer Baustelle haben, sage ihm, dass er mich mal am Arsch lecken kann und mache das Fenster wieder zu. Geholfen hat das alles nix. Ich bin vor zwei Jahren da weggezogen und die Baustelle ist immer noch da. Jetzt bauen sie aber schon das neue Haus. Wahrscheinlich sogar mit eigenem Wasser.
Seit drei Stunden ist Sonntag. Das heißt, ich kann davon ausgehen, später nicht von der neuen Baustelle geweckt zu werden. Meine Laune ist trotzdem nicht besonders. Ich habe im Laufe des Tages nämlich feststellen müssen, dass das Kratzen im Hals nicht von zu vielen Zigaretten kommt, sondern von einer sich anbahnenden Erkältung. Diese Erkenntnis, gepaart mit einem anstrengenden Tag voller Proben, Biertrinken und einkaufen hat mich dazu verleitet den Versuch zu starten mich um 22 Uhr schlafen zu legen, in der Hoffnung, dass das Kratzen morgen wieder verschwunden ist.
Ich schlafe grade mal zwei Stunden bis das Telefon klingelt und mein Vorhaben damit zum scheitern verurteilt. Natürlich war der Anruf nicht wichtig. Gott hasst mich. Es wird wirklich Zeit, dass ich mich um meine eigene Religion kümmere und endlich alles nach meinen Vorstellungen läuft. Ohne Baustellen und Telefone. Ich werde sofort damit anfangen, wenn ich wieder gesund genug bin, die dafür erforderliche Anzahl Zigaretten rauchen zu können.



Emys spricht zu euch: (20.mai 2011)

Viele von euch wissen wahrscheinlich aus der GramS, dass ich seit einiger Zeit im Begriff bin das leidige Thema Weltreligionen durch Gründung einer eigenen, besseren zu revolutionieren. Bisher hat das eher so mittelmäßig geklappt.
Das liegt zum einen an meinen unfähigen Mitarbeitern. So möchte ich an dieser Stelle besonders Stefan erwähnen, der als Reaktion auf den Artikel in der GramS ein eigenes Gebet für die Schildkrötenreligion eingesandt hat. Das ist absolut vorbildlich und ich möchte das an dieser Stelle mal honorieren: Danke Stefan, weiter so! Leider hat mein unqualifizierter Public-Relations-Mann es versäumt dir auf deine Mail zu antworten. Das geht natürlich gar nicht und ich habe ihn mittlerweile genau deshalb gefeuert. Jetzt kümmere ich mich um alles selbst.
Der zweite, wahrscheinlich noch schwerer wiegende Grund, dass das ganze nicht so läuft wie geplant, ist wahrscheinlich, dass ich euch zu viele Freiheiten bei der Gestaltung eures neuen Glaubens gelassen habe. Das soll sich nun ändern. Ich habe begonnen meine Autobiographie zu schreiben, die euch, wenn sie denn mal fertig ist, als Leitfaden dienen soll. Eine Art neues Neues Testament.
Bis die ganze Chose endlich fertig ist habe ich beschlossen mich als sogenannter Blogger zu betätigen. Das entspricht dem Zeitgeist habe ich gehört. Wenn ich ehrlich bin, habe ich eigentlich überhaupt keine Ahnung, was das überhaupt ist, ein Blog. Schon der Name klingt völlig beknackt.
Ich stelle mir das ganze in etwa so vor, dass diese Blogs eine Plattform für jede noch so unbedeutende Person bieten, seine eigene überflüssige Meinung über jedes beliebige Thema kundtun zu dürfen. Ob das jetzt nun stimmt oder nicht, so werde ich es auf jeden Fall machen. Mit dem einzigen Unterschied natürlich, dass es sich bei mir um alles andere als eine unbedeutende Person mit einer überflüssigen Meinung handelt. Eher im Gegenteil. Ich werde dadurch, dass ich euch in unregelmäßigen Abständen Tagebucheinträgen ähnelnde Texte präsentiere zu so etwas wie ein Rockstar zum Anfassen. Mit echten Gefühlen und so.
Das schafft Identifikationspunkte und die sind wichtig, wenn man es sich zum Ziel gesetzt hat später seine Brötchen einmal als Aushängeschild einer Weltreligion zu verdienen.
Wenn ich nicht so verdammt faul wäre, würde ich euch das alles in einer Print-Version darbieten, etwa im Stile des “Wachturm” von den Zeugen Jehovas. Ein Religions-Fanzine. Ich bin aber nun mal nicht der fleißigste und deshalb mache ich lieber einen Blog.
Um eins mal von vorne herein klarzustellen: Ich bin der Meinung, man knüpft seine “social Networks” in abgefuckten Kneipen und bei Grindkonzerten in dreckigen Kellerlöchern. Ich nutze diese virtuellen Dinger rein der Einfachheit halber und bin nicht hier um mich von euch ankumpeln zu lassen. Deshalb werde ich versuchen, von vorne herein zu unterbinden, dass irgend jemand meine lyrischen Höchstleistungen durch das hinzufügen von Kommentaren abwertet. Versucht es also gar nicht erst!
Ich werde mit dem Themenbereich “Randnotizen” starten und das ganze später weiter ausbauen, wenn mir denn danach sein sollte.
So, ich glaube, dass ist alles, was ihr zum Anfang wissen müsst. Bis später. Emys O.

Prä-Messias Emys Orbicularis macht ernst!

Dienstag, Mai 31st, 2011

Schildkröte verfasst neues Testament!
Prä-Messias Emys Orbicularis macht ernst.
(Whi) In der letzten Ausgabe der GramS veröffentlichten wir unter dem Titel „Brauchen wir einen neuen Messias?“ Auszüge eines Interviews mit dem Grindcore-Prediger Emys Orbicularis. Er stellte dort die Grundpfeiler seiner neuen Religion vor, die im wesentlichen darauf basierten, dass man sich die Inhalte eben jener nahezu frei auswählen könne. Unlängst erreichte uns eine Mitteilung von höchster Stelle, in welcher Orbicularis selbst erklärt, dass das Projekt sich in einer Umstrukturierungsphase befinde. Aufgrund der in den Augen der Schildkröte zu geringen Resonanz auf den GramS-Artikel müsse davon ausgegangen werden, dass die Welt noch nicht bereit sei für einen Glauben dessen Inhalte sie frei wählen könne. Als Konsequenz daraus hat Orbicularis sich entschlossen, sein Konzept etwas an die etablierten Glaubensrichtungen anzupassen und begonnen eine Art neues Neues Testament zu verfassen, welches nach Fertigstellung unter dem Titel „ Kein Panzer ist so hart wie das Leben“ in den Handel kommen soll. Desweiteren wird er in unregelmäßigen Abständen online Texte veröffentlichen um den Leuten seine Sicht der Dinge etwas näher zu bringen. Genauere Informationen werden Interessierte in Kürze über die MySpace Seite der Band „ Attack of the mad Axeman“ in Erfahrung bringen können.
Eine Interviewanfrage der GramS lehnte der Musiker und zukünftige Messias ab. „Da meine PR Abteilung leider völlig versagt hat war ich gezwungen alle zu entlassen und muss mich seither um alles selber kümmern. Deshalb muss ich ihre Interviewanfrage leider aus Zeitgründen ablehnen.“ Trotzdem bat er uns folgendes Gebet zu veröffentlichen, welches ihm als Reaktion auf den letzten GramSArtikel zugesandt wurde. Er bezeichnete das Verhalten des Verfassers Stefan aus M. als „absolut vorbildlich und nachahmenswert“.
Ähnlich engagierte Leute sind weiterhin aufgerufen sich bei folgendender Adresse zu melden: turtle@animalgrind.org

Brauchen wir einen neuen Messias?

Mittwoch, Mai 11th, 2011

GramS im Gespräch mit Prä-Messias Emys Orbicularis
Im Zeitalter von Christentum, Islam und Scientology sind immer mehr Menschen verunsichert. Ist meine Religion die Richtige?
Folge ich dem richtigen Weg? Werde ich in den Himmel kommen? Zu Manitou?
Oder wohin geht die Reise? Oft wurde auch die Frage laut, ob Religionen im Zeitalter von Internetpornographie und Bundesliga überhaupt noch zeitgemäß sind. Grade im Bereich des Metal gibt es ja viele Leute, die ganz klar sagen: Ja!
Da sind zum einen die Kirchenabfackelnden Blackmetalfreaks, die oft eine klare Affinität zum Satanismus aufweisen und zum anderen die Fans des sogenannten Wiking-Metal. Diese  besinnen sich auf ihre Vorfahren, beten zu Odin und Thor und trinken Met aus Trinkhörnern, spielen Live Rollenspiele im Wald und gehen damit den Tieren auf den Sack. “Es gibt nichts schlimmeres als wenn man Sonntags einfach nur bei einem guten Buch relaxen will und die Nachbarschaft von besoffenen Pseudowikingern bevölkert wird, die historische Schlachten nachspielen!”, so ein Anwohner der anonym bleiben möchte aus Angst vor mittelalterlichen Opferritualen.
Diese immer noch im wachsen begriffenen Strömungen des religiösen Metal erfreuen sich größter Beliebtheit bei vielen Jugendlichen, gerade im Bereich der extremen Musik. Diese Tatsache warf Fragen auf. Viele Fragen auf die man in der Redaktion keine Antwort wusste. Ein Grindcorefan wies uns darauf hin, wir sollten uns mal an den Attack of the mad axeman-Prediger Emys Orbicularis wenden, der Gerüchten zu Folge schon während der Erfolgstournee in Brasilien versucht hatte Anhänger für eine völlig neue Religion zu rekrutieren.
In einem Gespräch mit unserem Society Experten Wolfgang Hirschmeier verriet Orbicularis, dass er tatsächlich dabei sei eine neue Weltreligion ins Leben zu rufen. Die Schildkröte machte klar, er halte alle Religionen für überholt und nicht mehr Zeitgemäß. Er wolle etwas machen, dass “mehr auf die Bedürfnisse der Leute, also Menschen und Tiere eingeht”. Auf die Frage was seine Religion so attraktiv machen würde antwortete der Musiker:  “Das Beste und völlig neue an dieser abgefahrenen Religion ist, dass man sich die Inhalte mehr oder weniger selbst aussuchen kann. Ich starte gerade eine groß angelegte Umfrageaktion, in der es darum geht, was die Leute von einer neuen Religion erwarten würden, werde diese dann mit anderen Profis zusammen auswerten und die Ergebnisse als Grundlage für eine neue heilige Schrift nehmen.”
So weit, so logisch. Das ist Grindcore. Eine selbstbestimmte heilige Schrift. “Das ist eine Offenbarung!  Wie der Napalm Death Text von You suffer!”, so ein begeisterter Grindcorefan in der Fußgängerzone Ottensen. Inhaltlich ist natürlich noch nicht viel darüber zu sagen, aber besser als Odin, Satan, Gott oder Allah wird das auf jeden Fall. Soviel steht jetzt schon fest!